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Ausschlagen der Würze

Zunächst wird die Heizung abgestellt, dann wartet man bis die Würzeoberfläche sich einigermaßen beruhigt hat und dann wird mit einer geeichten Meßlatte die genaue Flüssigkeitsmenge festgestellt. Sie dient zur genauen Berechnung des Schwandes bei der Bierherstellung. Erst wenn diese Voraussetzungwn erfüllt sind, darf ausgeschlagen werden.

In den modernen Brauereien geschieht das Ausschlagen in einen Whirlpool. Dieser hat einen seitlichen Einlauf mit einer sich verjüngenden Spitze, ähnlich einer Düse. Dadurch wird die heiße Würze in eine Drehbewegung versetzt, wie sie ähnlich beim Umrühren einer Kaffeetasse zu beobachten ist. Diese Drehbewegung führt dazu, daß sich der Heißtrub in der Mitte kegelförmig absetzt. Es folgt danach die Würzekühlung.

In den älteren Brauereien wird entweder auf ein Kühlschiff ausgeschlagen oder in einen Ausschlagbottich. Beides dient dem selben Zweck, nämlich dem Ausscheiden des Heißtrubs und der Vorkühlung der Ausschlagwürze. Die Ausschlagbottiche können mit einem Kühlschlangensystem ausgerüstet sein, wodurch der Würzekühler leistungsmäßig entlastet wird.

Da können natürlich auch Pannen passieren wie folgt : Ich habe das als junger Brauer selbst erlebt. Wir hatten in dieser Brauerei einen Ausschlagbottich, der zwei Sude fasste, zusammen 1.000,00 hl Würze. Ich war als 1. Bierlaufer für die Kühlung der Würze verantwortlich. Wir hatten schon seit ein paar Tagen eine Ratte beobachtet, die auf dem etwa 7 - 8 cm breiten Bottichrand hin- und herlief. Dann haben wir sie nicht mehr gesehen. Es handelte  sich um Malzbierwürze, die besonders süß war und auch so roch.

Der Bottichinhalt lief nicht so leicht wie sonst über den offenen Berieselungskühler. Wir mußten immer wieder die Würzeleitung von unten mit dem Wasserschlauch freispülen. Endlich war alles unten und mein Gehilfe in der Schicht stieg hinauf um den Bottich zu reinigen. er kam sofort ganz entsetzt zu mir und holte mich zum Ausschlagbottich. Da lag die Ratte. Sie war gar gekocht und in mehrere Teile zerfallen.

Ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Wenn ich den Vorfall wahrheitsgemäß meine Vorgesetzten melden würde mußten 1.00,00 hl Würze in den Kanal gelassen werden. Das Ganze geschah noch dazu in einem VEB der DDR. Ich überlasse es jedem Leser dieser Zeilen, sich selbst ein eine eigene Entscheidung auszudenken!.