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Bierverschnitt - das Vermischen unterschiedlicher Biersorten

Ein besonderes Kapitel der Bierherstellung ist der Bierverschnitt. Es werden 2 oder mehr Biere zu einem neuen Biertyp verschnitten (vermischt). Es entstehen Biere, wie Festbier, Weihnachtsbier o.ä.. Sie sind überwiegend im Bereich unter 14% Stammwürze angesiedelt. Die meisten Brauereien befreien sich auf diese Weise von unverkauften und teilweise auch unverkäuflichen Restbiersorten aus der eigenen Produktion.

Voraussetzung für das Gelingen eines guten Verschnittbieres ist das Vorhandensein eines Verschneidbockes. Dieser besteht aus mindestens 2 oder mehr Laternen von denen jede einen eigenen Biereinlauf hat. Das Bier schießt vom Lagergefäß zur Laterne vor, die sofort entlüftet wird. Der Ablauf des Bieres erfolgt über ein regelbares Ventil oder einen entsprechenden Wechsel in ein Sammelrohr, von dem aus die Bierleitung entweder zum Filter oder zur Abfüllstaion für unfiltriertes Bier führt.

Wie bereits erwähnt, kann man so völlig neue Biertypen kreieren, ohne den doch recht aufwendigen Bierherstellungsprozess in Gang setzen zu müssen. Voraussetzung ist, neben dem Verschneidbock, das Vorhandensein von 2 oder mehr Bieren in den entsprechenden Lagergefäßen.

Verfahren wird so, daß die einzelnen Lagergefäße, deren Inhalt für den Verschnitt in Frage kommt, jedes für sich, an den Einlauf einer der Laternen des Verschneidbocks angeschlossen wird. Dann werden die Ablaufventile oder -Wechsel der Lagergefäße geöffnet. Das Bier schießt zu den Laternen vor. Dabei werden die Laternen bis zu völligen Luftverdängung gefüllt. In vielen Brauereien wird das ganze System mit CO2 vorgespannt.

Jezt kann mittels der regelbaren Ventile oder Wechsel im Auslauf der Laterne die Durchlaufgeschwindigkeit der jeweils erforderlichen Biermenge eingestellt werden. Wichtig ist dabei, daß die Regelventile gleichzeitig geöffnet werden, wenn sie in Durchlaufmengenposition stehen.

An dieser Stelle muß ich darauf hinweisen, daß der Verschnitt von Bieren mit unterschiedlichen Stammwürzegehalten nur gelingt, wenn die Biere gleichzeig zusammen das Sammelrohr des Verschneidbocks erreichen und sich dabei vermischen.

Füllt man die Biere hintereinander in den Abfülltank, erfolgt eine Über- oder Unterschichtung, aber keine Vermischung. Das habe ich durch eigene Untersuchungen in verschiedenen Brauereien bestätigt gefunden. Man kann also durch bloßes Pumpen der Verschnittbiere hintereinander in den Abfülltank kein neues Bier herstellen.

Für mich ist der Verscneidbock ein absolut notwendiges Gerät in der Brauerei. Mam kann nämlich damit auch Geschmacksunebenheiten der Hauptbiersorten ausgleichen, da bekanntermaßen nicht jeder Tank gleich allen anderen ist. Die Einsatzmöglichkeiten sind also sehr vielseitig. Die Kosten für die Anschaffung sind einmalig und bald wieder reingeholt.

Verschnittformeln

Die Biere 1 und 2 sollen zu Bier 3 verschnitten werden. Die Berechnug über das Andreaskreuz zeigt die Anteile der beiden vorhandenen Biere am Verschnitt.

B1 = (B3 - B2)

B3

B2 = (B1- B3)

Formel 1

Verschnitt zweier Biere:

a) hl mit P1 % Stammwürze

b) hl mit P2 % Stammwürze

gefragt: Stammwürzgehalt des Verschnitts (P3 %)

Formel 1 für den Verschnitt zweier Biere

Beispiel: Es stehen zur Verfügung:

a)  60 hl Bier mit 11,2 % Stammwürze

b) 140 hl Bier mit 12,5 % Stammwürze

Beispielrechnung für den Stammwürzegehalt des Verschnitts

Formel 2 - A + B

  1. Verschnitt einer bestimmten Mengeeines Bieres mit einem niedrigen Stammwürzegehalt mit einer unbestimmten Menge eines Bieres mit einem höheren Stammwürzegehalt.
    gefragt: Menge des zweiten Bieres

    Formel für die Errechnung der Menge des zweiten Bieres

    Beispiel: Es stehen zur Verfügung:
    1. 15 hl Bier mit einem Stammwürzegehalt von 12,1 %
    2. ein Bier mit einem Stammwürzegehalt von 13,2 %

    Der Verschnitt soll 13,0 % Stammwürze haben

    Beispielrechnung für die Ermittlung einer erzielten Stammwürze
  2. Verschnitt einer bestimmten Menge eines Bieres mit einem höheren Stammwürzegehalt mit einer unbestimmten Menge eines Bieres mit einem niedrigeren Stammwürzegehalt.
    gefragt: Menge des zweiten Bieres

    Erechnung der erforderlichen Biermenge bei einem gewünschten Stammwürzegehalt

    Beispiel: Es stehen zur Verfügung:
    1. 35 hl Bier mit einem Stammwürzegehalt von 13,5 %
    2. ein Bier mit einem Stammwürzegehalt von 11,1 %
    Der Verschnitt soll 12,5 % Stammwürze haben

    Berechnung bei einem Bierverschnitt von 12,5 % Stammwürze

Formel 3

Verschnitt von unbestimmten Mengen zweier Biere mit bestimmten Stammwürzegehalten P1 und P2 zu einem Bier mit einem bestimmten Stammwürzegehalt P3.

gefragt: Mengen der einzelnen Biere

Berechnung der Mengen von zwei Bieren zu einem bekannten Stammwürzegehalt

Beispiel: Es stehen zur Verfügung:

1. ein Bier mit einem Stammwürzegehalt von 11,6 %
2. ein Bier mit einem Stammwürzegehalt von 12,9 %

Der Verschnitt soll einen Stammwürzegehalt von 12,2 % haben

Beispielrechnung zur Ermittlung der benötigten Biermengen

Um ein Bier mit einem Stammwürzegehalt von 12,2 % zu erhalten, müssen jeweils 7 hl Bier 1 mit 6 hl bier 2 verschnitten werden.